Benin. Afrikanischer Demokratie-Pionier

Demokratischer Mut – Demographische Herausforderung

1989/90 war Benin der erste Afrikanische Staat, der in einem zivilen coup d´état nach 15 Jahren marxistisch-leninistischem Einparteiensystem, zu Beginn durch Lehrer, Studenten und Staatsbedienstete als determinierte und potente pressure group, und schließlich durch alle aktiven politischen Kräfte des Staates, das sozialistische Regime und mit ihm den damaligen Militärdiktator Mathieu Kérékou de facto absetzte. Eine Nationalversammlung ernannte sich zum Souverän des Volkes und beschloss ein neues Grundgesetz und begründete Benin damit endgültig in seiner jetzigen Form eines demokratischen Mehrparteiensystems. Auch heute noch sind die Beniner für ihre Verfassungsliebe bekannt und führend im immer noch heteroformen demokratischen Transformationsprozess der Sub-Sahara.

Doch Kolonialisierung durch Frankreich, Misswirtschaft des sozialistischen Staatsregimes und anschließende Strukturanpassungsprogramme durch westliche Gläubiger und die Weltbank erlegten Benin ein schweres Erbe auf.

Benin – ein junges Land

Benin ist ein junges Land. Mit einem Medianalter von 18,2 Jahren bedeutet dies, dass gerade einmal die Hälfte der Beniner volljährig ist. Im Vergleich dazu liegt Deutschlands Medianalter bei 45,9 Jahren. Zwar steigt seit einer Bildungsinitiative vor zehn Jahren die Anzahl der Kinder, die eine Schule besuchen drastisch an, doch besuchen die Kinder die Schule im Durchschnitt bloß für 3,4 Jahre. Im Vergleich mit anderen Sub-Sahara-Ländern gibt es in Benin allerdings eine immer noch verhältnismäßig hohe Zahl an Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die einen höheren Schulabschluss erlangen. Eine flächendeckende qualifizierende Berufsausbildung bleibt jedoch aufgrund unzureichender Ausbildungsstrukturen eine Herausforderung, die für das Schaffen tragfähiger Zukunftschancen unerlässlich sein wird. Neben der  berufsbefähigenden Qualifizierung stellt auch die Schaffung versorgender, nachhaltiger und attraktiver Stellen eine  unumgängliche Herausforderung auf dem Weg zu inklusivem Wohlstand dar, und deutet auf die Notwendigkeit einer Restrukturierung von Bildungssystem und nationaler Wirtschaft hin.

Sozioökonomische Stellschrauben

Geringe ökonomische Diversifizierung mit einem massiven Schwerpunkt im Baumwollhandel und geringerem Anteil am Handel mit Früchten, Nüssen und Ölsaaten konzentriert etwa die Hälfte der nationalen Arbeitskraft in der Landwirtschaft, welcher zum großen Teil informell organisiert ist. Die offizielle Arbeitslosenquote liegt in Benin mit bloß 2,5 niedriger als in Deutschland, jedoch sind etwa 80-90 % aller Beniner im informellen Sektor beschäftigt, also nicht rechtlich oder ökonomisch abgesichert. Meist handelt es sich dabei um familienorganisierte Landwirtschaft, Kleinhandel oder Dienstleistungen. Auch wenn der informelle Sektor trotz des Fehlens versorgender Regelarbeitsplätze eine Art Grundversorgung der Bevölkerung auf Subsistenzniveau bedeuten kann, führt er zu höchst volatilen Lebensbedingungen ohne institutionalisierte Absicherung gegen persönliche Gefahren wie Alter oder Krankheit, sowie gegen externe Ereignisse, wie umweltbedingte Ernteausfälle oder in Nachbarländern verursachte Handelsschocks.

Gute Bildung – Gute Arbeit – Nachhaltige Entwicklung

Arbeitslosigkeit muss in Entwicklung begriffenen Ländern also immer im Zusammenhang mit dem Nichtvorhandensein sozialer Sicherung, der Größe des informellen Sektors, und absolut prekären Arbeitsverhältnissen betrachtet werden. Benins Problem ist in diesem Sinne nicht Unemployment, sondern Underemployment. Fast 60% der 15-64 Jährigen arbeitet Vollzeit und lebt trotzdem unterhalb des Mindestlohns, der in Benin aktuell bei einem monatlichen Verdienst von umgerechnet 68 US$ liegt. Bei den 15-24 Jährigen sind es sogar 85%.

Es fehlt also nicht generell an Arbeit, sondern an Ausbildung und Arbeit die persönlich und materiell nachhaltig handlungsfähig macht.

Sowutu und Sowutu e.V. haben es sich zum Ziel gemacht im Rahmen der UN Entwicklungsziele, im Interesse von und mit den Potenzen von deutschen und afrikanischen Stakeholdern nachhaltig Perspektiven zu schaffen. Deutsche Strukturen und Erfahrung können mit afrikanischer Kreativität und Innovationsgeist wegweisende ökologische, ökonomische und soziale Dynamiken vereinen und so zu einer inklusiven und nachhaltigen globalen Entwicklung beitragen.

Für eine vertiefte Recherche besuchen Sie u.a.:

https://www.imf.org/~/media/Files/Publications/CR/2018/cr1802.ashx

http://www.ulandssekretariatet.dk/sites/default/files/uploads/public/PDF/LMP/LMP2018/lmp_benin_2018_final_version2.pdf

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